Manuel Jost ist seit Februar 2026 bei der RIBAG für die Produktentwicklung, das Design und das Produktmanagement verantwortlich und Mitglied der Geschäftsleitung. Im Gespräch mit ihm haben wir über Design im Spannungsfeld der Zukunft gesprochen. Lassen Sie sich inspirieren.
Was ist dir in der Zusammenarbeit zwischen Design, Produktmanagement und Technik besonders wichtig?
Meiner Überzeugung nach entstehen die besten Produkte dann, wenn Begehrlichkeit, Machbarkeit und Finanzierbarkeit in Einklang stehen. Nutzerzentriertes Design steht für die Begehrlichkeit eines Produkts, die technische Entwicklung für die Machbarkeit und das Produktmanagement für die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Dieses Spannungsfeld zwischen Gestaltung, Technik und Business fasziniert mich an meiner Arbeit besonders.
Wie entsteht bei euch eine neue Leuchte, von der ersten Idee bis zur Serienreife?
Am Anfang stehen Strategie und Positionierung. Für welche Zielgruppe entwickeln wir ein Produkt? Wie bewegt sich der Markt? Welche langfristigen Trends zeichnen sich ab? Und welche Lichtlösungen werden unsere Kunden künftig benötigen?
Die Produktentwicklung wird kontinuierlich durch Scouting begleitet. Wir beobachten neue Technologien, identifizieren Marktlücken, lassen uns von unterschiedlichen Quellen inspirieren und analysieren Nutzerbedürfnisse sowie Fertigungsmöglichkeiten. Daraus entstehen fundierte Konzepte für neue Leuchten.
Nach welchen Kriterien entscheidest du, ob ein Design in das Portfolio aufgenommen wird?
Zentral ist die Frage, ob ein Produkt zur langfristigen Strategie und zum Gesamtportfolio passt. Schliesst es eine Lücke im Angebot? Darüber hinaus prüfen wir, ob es ein bestehendes Produkt sinnvoll ersetzt, eine konkrete Marktnachfrage erfüllt, unseren Anspruch an Premiumqualität in Licht und Design erfüllt und wirtschaftlich tragfähig ist.
Wie gelingt es dir die Balance zwischen zeitlosem Design und aktuellen Trends?
Zeitlosigkeit ist für mich kein Trend, sondern ein Qualitätsmerkmal. Designklassiker, die seit Jahrzehnten bestehen, zeigen, dass reduzierte und durchdachte Gestaltung dauerhaft relevant bleibt.
Zeitloses Design bedeutet für mich, Produkte auf das Wesentliche zu reduzieren. Ganz im Sinne von Dieter Rams: „Good design is as little design as possible.“ Produkte sollen dem Menschen dienen, sich zurücknehmen und nicht nach Aufmerksamkeit verlangen. Klare Formen, neutrale Farben, intelligente Konstruktionen und Reparierbarkeit sind dabei entscheidend. Gleichzeitig trägt jedes Produkt auch den Zeitgeist in sich.
Welche Entwicklungen werden das Leuchtendesign in den kommenden Jahren besonders prägen?
Wir beobachten mehrere Veränderungen im Markt. Die LED Technologie hat einen hohen Reifegrad erreicht und ihr Innovationspotenzial ist weitgehend ausgeschöpft. Gleichzeitig gerät das mittlere Preissegment zunehmend unter Druck, während sich der Markt in Richtung Budget- und Premiumlösungen entwickelt.
Hinzu kommen vernetzte und smarte Leuchten, die Teil umfassender Systeme sind. Auch Themen wie Kreislaufwirtschaft gewinnen an Bedeutung. Gerade im Premiumsegment werden Kundenzentrierung und Design zu entscheidenden Differenzierungsmerkmalen.
Welche Bedeutung hat Künstliche Intelligenz bereits heute für deinen gestalterischen Arbeitsprozess?
Derzeit wird Künstliche Intelligenz vor allem als Werkzeug in der Konzeptphase eingesetzt und hält zunehmend Einzug in kreative Softwarelösungen. Sie erleichtert beispielsweise Visualisierungen. Gleichzeitig sind viele Aspekte des Produktdesigns und der Ingenieurarbeit noch zu komplex für die heutigen KI Modelle.
Welche aktuellen Herausforderungen beschäftigen dich im Hinblick auf Design, Funktion und Nachhaltigkeit besonders?
Die zentrale Herausforderung liegt darin, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, ohne Kompromisse bei Qualität, Funktion und Gestaltung einzugehen. Langlebigkeit, Reparierbarkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen müssen integraler Bestandteil der Produktentwicklung sein.
Erfahren Sie mehr über den Mensch und Macher Manuel Jost.