Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts "Haus der Wirtschaft" konnten wir mit den mitverantwortlichen Architekten Dieter Lämmli, Dominic Studer und Davide Vinciguerra über die Wichtigkeit des Lichts sprechen. Lassen Sie sich inspirieren, wie Licht in seiner natürlichen Selbstverständlichkeit in Aarau eingesetzt wurde.
Welche Rolle spielte Licht als gestaltendes Element in diesem Projekt und gab es eine übergeordnete Leitidee?
Im Haus der Wirtschaft in Aarau wurde Licht nicht lediglich eingesetzt, sondern als tragendes Entwurfselement verstanden, als immaterieller Baustoff, der Orientierung schafft und Atmosphäre prägt. Die Idee war, die innere Organisation des Gebäudes über das Licht lesbar zu machen. Offenheit, Vernetzung und Austausch, zentrale Werte eines solchen Ortes, sollten nicht nur gedacht, sondern räumlich spürbar werden.
Tageslicht dringt gezielt in die Tiefe des Hauses, durchschichtet die Räume und verbindet sie visuell wie atmosphärisch. Es entsteht ein Gefüge, das Klarheit ausstrahlt, ohne sich aufzudrängen. Das künstliche Licht knüpft daran an, es übernimmt die räumliche Dramaturgie des Tages und führt sie in die Abendstunden weiter. So bleibt die Architektur auch jenseits des natürlichen Lichts präsent. Ruhig, präzise und einladend. Licht wird hier zum Vermittler zwischen Raum und Nutzung, es strukturiert nicht nur, sondern verleiht dem Haus seine Identität als Ort der Begegnung.
Was zeichnet für Sie in diesem Gebäude gutes Licht aus, funktional wie atmosphärisch?
Gutes Licht zeigt sich hier nicht im Spektakel, sondern in seiner Selbstverständlichkeit. Es ist einfach da, präzise gesetzt, ruhig geführt und entfaltet gerade darin seine Qualität. Funktional schafft es Orientierung, fast beiläufig, ohne je zu dominieren.
Es begleitet die unterschiedlichen Nutzungen des Hauses und gibt ihnen eine klare, verlässliche Struktur. Gleichzeitig entsteht eine zurückhaltende, sachliche Grundstimmung, die den Räumen Ruhe verleiht und sie offen hält für das, was in ihnen geschieht. Erst in der Differenzierung zeigt sich seine Tiefe. Gezielte Akzente, die nicht inszenieren, sondern subtil lenken, verdichten, hervorheben. So bleibt das Licht stets im Hintergrund und genau dadurch wird es wirksam. Es stärkt die architektonische Klarheit, ohne sich ihr aufzudrängen, und lässt den Raum in seiner eigenen Logik sprechen.
Wie haben Sie die Lichtgestaltung auf die unterschiedlichen Nutzungen im Gebäude abgestimmt?
Die Lichtgestaltung folgt einer klaren Idee. Sie versteht sich nicht nur als funktionales Element, sondern als atmosphärischer Begleiter der unterschiedlichen Nutzungen. Von Arbeitsbereichen über Sitzungsräume bis hin zu öffentlich zugänglichen Zonen entfaltet sie ein fein abgestimmtes Spektrum an Stimmungen. In den Arbeitsbereichen sorgt ein ruhiges, gleichmässiges und blendfreies Licht für Klarheit und Fokus. Demgegenüber sind Begegnungs- und Aufenthaltszonen bewusst weicher, nuancierter und einladender inszeniert. Orte, die zum Verweilen und zum Austausch anregen. Besonders prägend ist dabei das fliessende Zusammenspiel der Lichtstimmungen. Ohne harte Übergänge verweben sie sich zu einer selbstverständlichen räumlichen Kontinuität und schaffen eine Atmosphäre, die Orientierung gibt und zugleich subtil berührt.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Leuchten ausgewählt, eher technisch funktional oder gestalterisch geprägt?
Unsere Auswahl der Leuchten folgt einem integrativen Ansatz, der Technik und Gestaltung als untrennbare Einheit begreift. Aspekte wie präzise Lichtverteilung, hohe Effizienz und nachhaltige Langlebigkeit bilden dabei das Fundament, getragen von einem Anspruch an zeitlose Qualität. Gleichzeitig werden die Leuchten als selbstverständlicher Teil der architektonischen Ordnung verstanden. Sie fügen sich ruhig und präzise in den Raum ein, oft bewusst zurückhaltend, beinahe selbstverständlich. So unterstützen sie die räumliche Wirkung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, präsent in ihrer Wirkung, aber leise in ihrer Erscheinung.
Gab es im Verlauf des Projekts einen Moment, in dem das Lichtkonzept entscheidend geschärft oder neu gedacht wurde?
Im Verlauf des Projekts entstand ein prägender Wendepunkt, an dem das Lichtkonzept eine neue Klarheit gewann. In der frühen Phase stand noch die ruhige, funktionale und gleichmässige Ausleuchtung im Vordergrund. Zurückhaltend, beinahe selbstverständlich. Mit der vertieften Auseinandersetzung mit Raumabfolgen, Materialität und dem Spiel des Tageslichts begann jedoch ein Umdenken. Besonders im Übergang vom Bauprojekt zur Ausführungsplanung wandelte sich die Perspektive grundlegend. Licht wurde nicht länger nur als technisches Mittel verstanden, sondern als tragendes Element der architektonischen Haltung. Es entwickelte sich zu einem feinen Instrument, das Räume nicht nur erhellt, sondern sie formt, verbindet und ihre Atmosphäre präzise mitprägt.
An welchen Orten im Gebäude wird Licht bewusst inszeniert und geht über die reine Funktion hinaus?
Inszeniert wird Licht dort, wo das Haus seine gemeinschaftliche Kraft entfaltet. Im Entrée, entlang der Erschliessungsräume und an den Orten der Begegnung. Hier wird es zum leisen Dirigenten des Raumes. Es führt, ordnet und macht die Offenheit des Gebäudes spürbar. Licht schafft Orientierung, verleiht Identität und lässt Zusammenhänge intuitiv erfahrbar werden. Im Zentrum dieser räumlichen Dramaturgie steht die Wendeltreppe: Ein neu interpretierter Kronleuchter durchzieht sie als vertikales Kontinuum, vom Untergeschoss bis ins zweite Obergeschoss. Er wird zum verbindenden Element, das die Geschosse nicht nur erschliesst, sondern atmosphärisch miteinander verwebt. Gezielte Akzente heben architektonische Elemente und feine Materialwechsel hervor, sodass sich die Struktur des Hauses klar abzeichnet. Nicht aufdringlich, sondern selbstverständlich lesbar.
Gab es für Sie persönlich einen besonderen Moment im Zuge der Umsetzung?
Ein besonderer Moment lässt sich selten auf einen einzigen Augenblick reduzieren, vielmehr verdichtet er sich in einem stillen Übergang. Für uns war es jener Zeitpunkt, als der Baukörper nicht mehr als Entwurf lesbar war, sondern als Teil seines Ortes. Als das Licht zum ersten Mal so in die Räume fiel, wie wir es erhofft hatten. Wo Materialien, die zuvor nur bemustert und gedacht waren, ihre Tiefe und Eigenständigkeit entfalteten. Es ist ein leiser, fast unspektakulärer Augenblick und doch liegt darin das eigentliche Highlight. Wenn die gebaute Realität beginnt, mehr zu sein als die Summe ihrer Entscheidungen. Dieser Moment bestätigt nicht nur die Arbeit, sondern relativiert sie zugleich. Er zeigt, dass gute Architektur nicht gemacht wird, sondern entsteht, im präzisen Zusammenspiel von Intention und Offenheit.
Was ist aus Ihrer Sicht die Essenz des Neubaus?
Die Essenz des Hauses der Wirtschaft entfaltet sich in einer Haltung von Klarheit, Ruhe und Offenheit. Raum, Licht und Material greifen präzise ineinander und bilden ein stimmiges Gefüge, das Konzentration ebenso trägt wie Begegnung ermöglicht.
Es ist ein Gebäude, das seine Qualität nicht aus der Inszenierung bezieht, sondern aus der Kraft der Verbindung, aus einer Selbstverständlichkeit, die leise wirkt und gerade dadurch überzeugt.
Kurzporträt Haus der Wirtschaft Aarau
Der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses der AIHK setzt als präzise positionierter Riegelbau ein klares städtebauliches Zeichen an der Entfelderstrasse und vermittelt zwischen kleinteiliger Gartenstadt und grossmassstäblicher Bebauung. Ein repräsentativer Vorplatz im Süden und ein ruhiger Grünraum im Norden bilden ein ausgewogenes Aussenraumkonzept. Die klare Stapelung der Nutzungen sowie ein effizient organisierter Gebäudekern gewährleisten Flexibilität und eine saubere Trennung von Wohnen und Arbeiten. Konstruktiv überzeugt der Hybridbau aus Beton und Holz durch Ressourcenschonung, hohe Vorfertigung und wirtschaftliche Umsetzung. Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des Entwurfs, mit passiven Klimastrategien, langlebiger Systemtrennung und hoher Anpassungsfähigkeit im Betrieb. Die Projektierung und Realisierung erfolgten gesamtheitlich aus einer Hand durch die Lämmli Architektur AG – vom ersten Entwurf über die Ausführungsplanung bis hin zur Bauleitung und termingerechten Fertigstellung.
Kurzporträt Lämmli Architektur AG
Die Lämmli Architektur AG, gegründet durch Barbara und Dieter Lämmli steht für ganzheitliches Denken, präzises Planen und verantwortungsbewusstes Bauen. Als etabliertes Architekturbüro mit Kompetenz in Architektur und Gesamtleitung begleitet sie Projekte von der ersten Idee bis zur Schlüsselübergabe und vereint Entwurf, Konstruktion, Materialisierung und Ausführung unter einem Dach. Im Fokus stehen funktionale, ästhetische und wirtschaftlich nachhaltige Lösungen. Die Stärke des Büros liegt im interdisziplinären Dialog, im gebündelten Wissen des Teams und in der Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Bauherrschaften und Partnern. Die Lämmli Architektur AG schafft Räume mit Qualität und Identität und pflegt eine Unternehmenskultur, die auf Respekt, Offenheit und Vertrauen basiert. Als Ausbildungsbetrieb engagiert sie sich für die Förderung von Nachwuchstalenten und versteht Innovation und Nachhaltigkeit als zentrale Haltung für die Entwicklung zukunftsfähiger Architektur. Ihre über 30-jährige Erfahrung basiert auf einer klaren Überzeugung: ganzheitlich denken, präzise handeln und Architektur für Menschen schaffen.
Davide Vinciguerra und Dominic Studer von Lämmli Architektur im Haus der Wirtschaft, Aarau
GLEA Glas-Kronleuchter und VIOR Deckenleuchten im Haus der Wirtschaft
2. Stock im Haus der Wirtschaft mit VIOR Deckenleuchten von RIBAG
Sitzungszimmer mit KIVO Pendelleuchten
Wendeltreppe im Haus der Wirtschaft mit GLEA Glas-Kronleuchter
MILUM Downlight und Lightline integriert in die Decke im Haus der Wirtschaft
Pausenraum mit KIVO Pendelleuchten
Wendeltreppe im Haus der Wirtschaft mit GLEA Glas-Kronleuchter
VIOR Deckenleuchten
Konferenzraum im Haus der Wirtschaft mit dem MILUM Lichtsystem
GLEA Glas-Kronleuchter im Haus der Wirtschaft